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Ein Krieg hat Namen, Folgen und Bilder

In Israel heißt er Unabhängigkeitskrieg. Palästinensische Araber nennen seine Ergebnisse „Nakba“, Katastrophe.

Die Folgen des Krieges wirken für die Beteiligten nach.

Für Israel:

  • Die Arabische Legion zerstörte systematisch das jüdische Viertel in der Altstadt Jerusalems und vertrieb alle Einwohner. Die gleiche Strategie einer radikalen ethnischen Säuberung verfolgten die Jordanier auch in Hebron und anderen Orten der Westbank. Diese bittere Niederlage konnte von Israels junger Armee in dem Mehrfrontenkrieg nicht verhindert werden.

  • Über 6.000 Tote, davon 2.000 Holocaust-Überlebende, insgesamt ein Prozent der Gesamtbevölkerung Israels starben. Viele mühevoll aufgebaute Felder, Siedlungen, Fabriken und Infrastrukturen waren zerstört.

  • Die Gewissheit festigte sich, nur mit einer schlagkräftigen Armee und effizienter Mobilisierung überleben zu können. Hilfe von außen war nicht zu erwarten.

  • Der Krieg endete mit einem etwas größeren Territorium, das leichter zu verteidigen war.

  • In den Jahren nach dem Waffenstillstand sorgten die freigesetzten Kräfte für eine dynamische Entwicklung moderner Landwirtschaft.

Für die Araber in Palästina:

  • Der UN-Teilungsbeschluss im November 1947 gab ihnen den geografischen Rahmen einer neuen Identität, die historisch nicht existierte.

  • Der Krieg, die Propaganda des Muftis und die Aufforderungen arabischer Staaten veranlassten zwischen 600.000 und 700.000 Araber, ihre Orte im jüdischen Teil Palästinas zu verlassen.

  • Besonders schwerwiegend: Die politische Entmündigung der Araber Palästinas durch die arabischen Staaten bereits vor dem Krieg. Im Gründungsprotokoll der Arabischen Liga von 1945 wird dem arabischen Teil Palästinas explizit das Recht abgesprochen, ihren Repräsentanten in der Arabischen Liga selbst zu wählen.

  • Kriegsvorbereitungen, Kriegsrhetorik und Einmarsch der arabischen Armeen im Mai 1948 wurden zwar vom Mufti begrüßt, erfolgten aber über die Köpfe der meisten palästinensischen Araber hinweg.

  • Besetzung und Annexion der Westbank durch Jordanien und Eroberung des Gazastreifens durch Ägypten nahmen ihnen das Gebiet, in dem sie laut UN einen eigenen Staat hätten gründen können.

Für Jodanien endete der Krieg mit einem Triumph. Zum territorialen Gewinn kam das Prestige einer schlagkräftigen, modernen Armee.


Dass die Arabische Legion von Briten geführt und mit überlegenen Waffen ausgerüstet war, ging in der Legendenbildung unter. König Abdullah kam zwei Zielen näher:

  • Einen palästinensisch-arabischen Staat unter Führung des fanatischen Muftis und eine neue palästinensische Identität zu verhindern. Im Gegensatz zu allen anderen arabischen Staaten gewährte er deshalb den Arabern aus Palästina die jordanische Staatsbürgerschaft.

 

  • Ein arabisches Großreich aus Syrien, Jordanien und zumindest Ost-Palästina zu gründen im Sinne seiner hegemonialen Vision.

Historisch aufschlussreich ist ein Handschlag zwischen Jordaniens Kommandeur Abdullah Bey el Tal und Israels Mosche Dayan beim Waffenstillstand. Die Zufriedenheit des Jordaniers ist unübersehbar.

Bei den anderen arabischen Staaten löste die militärische Niederlage ein kollektives Trauma aus. Es wurde psychologisch verstärkt durch die vorangegangene und siegessichere Kriegsrhetorik.

  • 15.000 arabische Soldaten starben in den Kämpfen.

  • Offiziere und Teile der arabischen Gesellschaften gaben den alten, korrupten und rückständigen arabischen Systemen Schuld an der Niederlage. Revolutionäre Bewegungen entstanden.

Zu den historischen Fakten gehört jedoch auch die Konferenz von Jericho. Am 01. Dezember 1948 beschlossen 2.000 Delegierte der palästinensischen Araber, eine Union mit Jordanien einzugehen. Sie repräsentierten die Mehrheit der palästinensischen Araber und lehnten eine eigene Staatlichkeit unter Führung des radikalen Mufti ab.

Und zu den historischen Fakten gehört: Die Arabische Liga lehnte diese Lösung strikt ab. Vor allem Ägypten, Syrien, Libanon und der Irak übten heftige Kritik. In ihren Ländern wurden die geflohenen palästinensischen Araber in Lagern interniert.

In der Mitte: König Abdullah von Jordanien bei der Konferenz von Jericho.

Nach dem Waffenstillstand

Jordanien besetzte die Westbank und die Altstadt von Jerusalem mit dem historischen jüdischen Viertel.


Ägypten besetzte den Gaza-Streifen.
 

Beides machte die Gründung eines palästinensisch-arabischen Staates unmöglich.

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