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Der Krieg eskaliert vor dem Krieg

Der Krieg 1948 begann nicht 1948 und nicht als klassischer Krieg. Denn Juden und Araber lebten in den gleichen Städten und Dorf neben Dorf. Es war auch kein Kampf „Araber in Palästina gegen Juden in Palästina“. Denn beteiligt waren fünf Parteien. Die Bedeutung dieser Epoche verlangt, ihre oft oberflächliche Darstellung durch historische Details zu ersetzen. Der Krieg vor dem Krieg hatte einen langen Anfang.

Wer war beteiligt?

Die britische Mandatsmacht verfügte über die stärksten Waffen und die meisten Soldaten. 

Die Milizen des Muftis von Jerusalem und hunderte arabische Dorfmilizen überfielen und plünderten jüdische Farmen und Wohnviertel. 

Die Arab Liberation Army drang aus dem Libanon ein, um den Norden zu besetzen.

 

Die Haganah und jüdische Untergrundorganisationen versuchten jüdische Viertel und Farmen zu beschützen.

Die loyalen Araber in Palästina widersetzten sich dem Befehl des Muftis, jüdische Nachbarn anzugreifen. Beduinen, Drusen und Araber kämpften aktiv an der Seite der Haganah gegen die Mufti-Milizen.

Mufti-Miliz „Armee des heiligen Krieges“.

Schlomo Slonim, gerade 18 Monate, überlebte 1929 das Massaker an Hebrons Juden unter den Leichen seiner Eltern.

Die psychologische Verschärfung des Konfliktes

Diebstähle und Raubüberfälle auf jüdische Farmen gab es von Anfang an und wurden als lokale Gegebenheit gesehen. Praktisch galt noch die Doktrin der „Havlagah“ (Zurückhaltung), die nur Verteidigung erlaubte.

Drei Gründe führten zur allmählichen Aufgabe der Havlagah: 

Die Überfälle in den 1920er und 1930er Jahren erfolgten, um zu töten. Die Massaker verschonten weder Kinder noch Frauen und waren grausam. Die Briten blieben weitgehend untätig. Der Mufti propagierte offene NS-Ideologie und wurde von Hitler unterstützt. Die Verbitterung der Juden in Palästina wuchs. Und ihre Entschlossenheit zu kämpfen.

Der Mufti brachte den Arabern Hitlers „Mein Kampf“, seine Ideologie und vergleichbare Organisationen wie SA, SS und Hitlerjugend. Vor allem aber brachte er die Erkenntnis nach Palästina, welche Wirkung massive und skrupellose Propaganda erreichen kann.

Der Einfluss der Muslimbrüder

Die historisch fragwürdige Frage „Was wäre wenn?“ ist für die Jahre 1945 bis 1948 berechtigt. Der Mufti war als Kriegsverbrecher in Frankreich inhaftiert. Ägypten zögerte trotz aller Kriegsrhetorik, die Invasion gegen den gerade gegründeten Staat Israel zu beginnen, die moderaten Araber in Palästina sahen eine Chance, Krieg zu vermeiden.

Unter ungeklärten Umständen gelang dem Mufti die Flucht nach Kairo. Dort verbündete er sich mit den Muslimbrüdern, die bereits eine breite Machtbasis hatten. Mit deren Hilfe überzeugte der rhetorisch und propagandistisch begabte Mufti den ägyptischen König Faruk, Israel anzugreifen.

Warum eskalierte die Situation?

Am Anfang stand die Propaganda. Der Mufti von Jerusalem begann eine beispiellose Hetzkampagne und rief zu Mord und Plünderungen an der jüdischen Bevölkerung auf. Massaker und Überfälle überzogen das ganze Land.

 

Ab Ende der 1930er Jahre übten jüdische Untergrundorganisationen Vergeltung.

September 1928: Anhänger des Muftis überfielen eine Farm für jüdische Waisenkinder, plünderten und stahlen das Vieh.

August 1929: Fanatisierte Mufti-Anhänger in Hebron massakrierten 70 jüdische Männer, Frauen und Kinder mit Messern und Äxten. 

August 1929: In Zfat (Safed) ermordeten Anhänger des Muftis 20 zumeist religiöse Juden.

April 1936: Ein arabischer Mob stürmte die Häuser jüdischer Familien in Jaffa. 40 Tote und Schwerverletzte.

August 1937: Eine jüdische Familie mit drei kleinen Kindern wurde in ihrem Haus in Zfat von Arabern ermordet.

November 1937: Eine Gruppe jüdischer Forstarbeiter wurden nahe Jerusalem aus dem Hinterhalt erschossen.

November 1937: Die jüdische Untergrundorganisation Irgun übte nahe Jerusalem Vergeltung an zehn Arabern.

März 1938: Sechs jüdische Passagiere eines Reisebusses wurden von Arabern ermordet.

Mai 1938: Drei Araber wurden von der Irgun als Vergeltung in Haifa erschossen.

Juni 1941:  Die italienische Luftwaffe unterstützte den Mufti mit einem Angriff auf Tel Aviv, der 20 Tote forderte.

Juli 1946: Die Irgun sprengt das britische Hauptquartier in einem Flügel des King David Hotels in Jerusalem als Vergeltung für die Massenverhaftung jüdischer Führungskräfte durch die Briten. 91 Briten, Juden und Araber starben.

Dezember 1947: In Haifa wurden 30 jüdische Arbeiter einer Öl-Raffinerie von einer arabischen Bande ermordet.

Dezember 1947: Zeitgleich an drei Stellen im Land gaben sich arabische Terroristen als wartende Passagiere aus und warfen Handgranaten in haltende Busse. Sieben Menschen starben.

Februar 1948: Mufti-Anhänger verübten einen Bombenanschlag in Jerusalem, bei dem 44 Juden ums Leben kamen.

April 1948: Araber massakrierten 77 jüdische Ärzte, Krankenschwestern und Patienten, die auf dem Weg zum Hadassah-Krankenhaus auf dem Skopus-Berg in Jerusalem waren.

April 1948: Die Irgun versuchte, sich zum belagerten Jerusalem durchzukämpfen und stieß auf das arabische Dorf Deir Yassin, das den westlichen Zugang nach Jerusalem überblickte. Das Dorf hatte mit jüdischen Nachbarorten einen Nichtangriffspakt geschlossen. Heimlich ließen die Dorfbewohner aber arabische Kämpfer in den Häusern Stellung beziehen. Als die Irgun aus den Häusern beschossen wurde, stürmte sie das Dorf. Beim Gefecht kamen über 100 Araber ums Leben, vier jüdische Kämpfer wurden erschossen, 35 verwundet.  

Mai 1948: 140 Bewohner des Kibbuz Etzion wurden von arabischen Banden und einer Vorausabteilung der jordanischen Armee massakriert.

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