Zionismus konkret

In zwei Schriften beschrieb Theodor Herzl seine zionistische Vision.

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„Der Judenstaat“ (1896) entwirft ein generelles Konzept für den Staatsaufbau. Darin definiert Herzl die Grundzüge einer modernen, liberalen Verfassung für ein strikt säkulares Staatswesen.
Der Arbeitstag sollte auf sieben Stunden begrenzt sein, um Zeit für Familie, Freizeit und Fortbildung zu haben.
Kulturelle Vielfalt ist im Judenstaat 
ausdrücklich erwünscht und soll das Zusammenleben von Menschen      unterschiedlicher Traditionen erlauben und erleichtern.

„AltNeuLand“ (1902) ist ein utopischer Roman über das Leben im jüdischen Staat. Dabei konkretisiert Herzl im Detail den Alltag und die Grundprinzipien.
Wirtschaftlich ist das Leben teilweise genossenschaftlich geprägt, basiert auf Privateigentum und Marktwirtschaft. 
Tourismus nimmt eine bedeutende Position ein. Grund und Boden kann nur gepachtet werden, um Ungleichheiten vorzubeugen. Die gesellschaftspolitische Kultur skizziert Herzl als liberal, weltbürgerlich und offen 
gegenüber Einwanderern.

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Die drei historisch dominanten Grundpfeilder des Zionismus:

Befreiung der Juden aus Unterdrückung und Not, Diskriminierung und Verfolgung, Ohnmacht und Verzweiflung, hin zu individueller und kollektiver Selbstbestimmung.

Gründung und Aufbau eines eigenen Staates, in dem Juden normal wie andere Völker und normal unter anderen Völkern leben können.

Körperliche Arbeit, vor allem Landarbeit auf eigenem Grund und Boden, der Juden in Europa lange verwehrt war.

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Das Poster zeigt einen jüdischen Ritter und symbolisiert Tapferkeit und den Ausbruch aus der Vergangenheit. Der Löwe ist ein urhebräisches Wappentier. Heraldisch wird es dem althebräischen Stamm Juda zugeordnet. Unterschrift: „Das Volk Israel lebt“.

Poster des Jüdischen National Fonds (JNF) in den USA um 1950. Der JNF ist in Israel für die Aufforstung und generell für den „Boden“ zuständig. Dazu gehört die landwirtschaftliche Urbarmachung. Aufforstung und Urbarmachung dauern in Israel mit unverminderter Intensität bis in unsere Zeit an.

Zionistisches Poster aus Rumänien, ca. 1930. Die drei Kamele im Hintergrund rechts symbolisieren das neue Umfeld, das auf Entwicklung wartet.


Text: „Auf zum neuen Leben“. 

Die zionistische Lebensweise reichte aber weiter und beinhaltete auch „Spielregeln“. Dazu gehörten:

  • obligatorische körperliche Ertüchtigung

  • hochgekrempelte Ärmel als Ausdruck zupackender Arbeitsmoral

  • hebräische Sprache

  • weitestgehend säkulare Lebensführung

  • Widerlegung antisemitischer Stereotypen durch eigene Leistungen

Als Zionist bezeichnet sich heute, wer den Staat Israel unterstützt, auf seine Weise beiträgt, ihn zu verteidigen, die Einwanderung nach Israel befürwortet und ein Leben in Israel in seine Lebensplanung einbezieht. Darüber hinaus gibt es christliche, christlich-zionistische und säkulare nichtjüdische Bewegungen, die sich für Israels Existenzrecht und sein Wohlergehen einsetzen.